Spider-Man: No Way Home

Eine Vorwarnung: Dieser Artikel enthält Spoiler. Wer sich also die Spannung bewahren möchte, sollte nicht weiterlesen.
Du wurdest gewarnt… 😉

Das Jahr 2021 hatte es in Bezug auf das MCU ganz schon in sich. Obwohl wegen COVID-19 einige Verschiebungen stattfanden, ballte sich das Veröffentlichungsraster der Filme am Ende doch ganz schön. Fast jeden Monat kam ein weiterer Titel der Phase IV heraus. Dazu kam noch Venom: Let there be Carnage, der anhand einer Postcreditszene ebenfalls aus dem Sony-Spiderverse zu Marvel geholt wurde. Eigentlich sollte ja noch ein weiterer Film folgen, aber Morbius wurde bereits vor einiger Zeit ins Jahr 2022 verlegt; wegen zu großen Andrangs.

Spider-Man: No way Home beginnt dort, wo wir im letzten Film den Netzschwinger verließen: Mit der Veröffentlichung seiner Geheimidentität durch einen gewissen J. Jonah Jameson. Das wird das Leben von Peter Parker total auf den Kopf gestellt. Viele Menschen sehen ihn als Held, der die Welt vor Thanos gerettet hat, andere sehen in ihm den Mörder von Mysterio. Dieser hat vor seinem Ableben dafür gesorgt, dass die entsprechende Information durchsickert. Als aber auch das Leben seiner Freunde in Mitleidenschaft gezogen wird, wendet er sich an Doctor Stephen Strange. Dieser soll mit einem Zauber die Welt vergessen machen, wer unter der Maske von Spider-Man steckt. Doch der Spruch geht gründlich schief und die Grenzen der verschiedenen Ebenen des Multiversum drohen dadurch zu kollabieren…

Damit wären wir also wieder beim großen Thema des vierten Abschnitts des Marvel Cinematic Universe: dem Multiversum, in dem verschiedene Versionen von Helden und Schurken tummeln. Nachdem bereits in WandaVision und Loki diverse Andeutungen gemacht wurden, gibt man nun endlich Butter bei die Fische. Konsequent spielt man einige für unmöglich Dinge durch, wie beispielsweise der Auftritt nicht nur eines Spider-Man. Das ist deswegen schon verwunderlich, weil sich die verschiedenen Filmrechteinhaber lange Zeit nicht grün untereinander waren, weil jeder sein eigenes Stück vom Kuchen haben wollte. Mit dem Kauf des Majors 20th Century Fox durch den Disney-Konzern löste sich zumindest eines der Probleme. Helden wie die X-Men oder The Fantastic Four wanderten so mit ihrem Anhang wieder zu Marvel. Doch mit Sony Pictures konnte man das nicht machen, da hinter dem Studio einer der größten Elektronikkonzerne der Welt steckt. Hier hält man die Rechte an dem Universum rund um Spider-Man. Lange vor der Disney-Ära war der Comicverlag recht freigiebig mit seinen Lizenzen. Der Netzschwinger gelangte so schon in dein 1980er Jahren zu Columbia Pictures. Als Sony das Studio kaufte, war auch er im Gesamtpaket dabei. Bereits 1987 begann die Planung für einen Film mit dem Netzschwinger, in dem Stan Lee den J. Jonah Jameson spielen sollte. Wie so viele geplante Projekte wurde nie etwas daraus. Auch als James Cameron eine gewisse Zeit damit verbrachte, verlor sich der Netzschwinger wieder im Planungsdschungel. Erst der Erfolg von X-Men Anfang der 2000er ließ ihn dann in Form von Toby McGuire auf der Leinwand, was zwei weitere Filme zur Folge hatte. Nachdem Spider-Man 3 an der Kinokasse versagte, verfolgte man mit einem neuen Darsteller einige Jahre später ein neues Konzept, was zu den beiden The Amazing Spider-Man-Filmen führte. Hier erwies sich der zweite Teil als eine pure Katastrophe an den Kinokassen. Bei Sony zog man die Reißleine, um das weitere Schicksal des Franchise zu beraten.

Doch mittlerweile war ein neue Player auf den Plan getreten: die Marvel Studios. Dort hatte man bewiesen, dass man mit einer serialisierten Handlung die Zuschauer durchaus bei Stange halten konnte. Nach langen, sehr zähen Verhandlungen einigte man sich auf einen Zusammenarbeit. So fand Spidey bei Captain America: Civil War den Weg ins MCU und wurde dort nicht nur eine große Stütze, sondern auch der Erbe von Tony Stark. Der Erfolg gab der Zusammenarbeit recht. Die beiden Spider-Man-Filme im MCU wurden zu großen Kassenschlagern. Als Far from Home herauskam begann man bei Sony laut darüber nachzudenken die Zusammenarbeit zu kündigen. Das stieß allgemein auf wenig Gegenliebe. Zahlreiche Verhandlungen später einigte man sich dann doch noch auf den vertraglich vereinbarten dritten Film.

Warum ich das erzähle? Nun, diese Hintergründe hatten großen Einfluss auf die Entstehung von No Way Home. Auch deswegen, weil man die Schurken aus den ersten fünf Sony-Filmen in den Streifen integriert hat. Und nicht nur die. Auch Toby McGuire und Andrew Garfield sind in ihren alten Rollen als Spider-Man zu sehen, was lange nur als Spekulation galt. Damit nicht genug, denn auch der Bezug zu den Marvel-Serien auf Netflix werden hergestellt, denn der Anwalt, den sich der MCU-Spidey nimmt ist kein geringerer als Matt Murdoch, auch bekannt als Daredevil und dargestellt von Charlie Cox, der den Charakter auch in der Serie darstellte. Gleichzeitig tauchte in der parallel angelaufenen Serie Hawkeye auf Disney+ der Schurke Kingpin wieder auf, ebenfalls vom gleichen Darsteller gespielt. Zufall? Nicht bei den Machern des MCU. Wie ich schon mehrmals in anderen Beiträgen sagte: Im MCU ist alles miteinander verknüpft.

Spider-Man: No Way Home ist mit rund zweieinhalb Stunden einer der längeren Beiträge in der erfolgreichen Filmreihe. Ähnlich wie bei Eternals braucht er aber auch diese Zeit um seine Geschichte zu erzählen. Alles wirkt hier aus einem Guss. Die Integration der Superschurken, ebenfalls verkörpert durch die Akteure in den alten Filmen, wirkt nicht aufgesetzt. Und wenn dann am Ende drei Spider-Man sich ihnen entgegenstellen, ging bei mir als Fan das Herz auf. Oft wurde sich sowas auch von anderen Franchises gewünscht, hier hat man es durchgezogen. Der Erfolg gibt den Machern recht. Tatsächlich scheint Spider-Man: No Way Home der erste richtige Blockbuster in Pandemiezeiten zu sein, der an die Zeiten davor anknüpft. Das zeigt, dass das Publikum im Moment mehr darauf steht für einige Zeit dem Pandemie-Alltag zu entfliehen und sich einfach nur unterhalten will. Das bekommt der Streifen ohne Probleme hin.

Die Handlung ist vielseitig und actionreich. Es wird viel Fanservice betrieben, der aber hier auch zur Handlung beiträgt und nicht nur Mittel zum Zweck ist. Dazu kommen noch Cameos wie der von Matt Murdoch und Eddie Brock, um dem ganzen Gericht noch etwas würze zu geben. Gleichzeitig bereitet man das Publikum auf das nächste Abenteuer im MCU vor, das Doctor Strange zusammen mit Scarlet Witch bestreiten wird: Doctor Strange in the Multiverse of Madness, der im Sommer 2022 zu sehen sein wird. Die zweite Postcreditszene von Spider-Man: No Way Home ist ein früher Teaser dazu. Mit ihm wird auch Regisseur Sam Raimi (Spider-Man) wieder zu Marvel zurückkehren.

Ja, ich bin ein Fanboy und eine der schönsten Szenen für mich war die Zusammenkunft der drei Spider-Man. Toby McGuire als erwachsener Spider-Man, Andrew Garfield als mit hadernder Held und Tom Holland, dessen Peter Parker nun erwachsen werden muss. Hinzu kommen noch hochkaratige Darsteller wie Willem Dafoe, Alfred Molina, Rhys Ifans und Jamie Foxx, die in ihren alten Rollen zurückkehren. Ebenfalls gefallen hat mir die Kontinuität, denn hier war an allen Filmen der gleiche Regisseur und die gleichen Autoren dran, was nicht ganz so oft vorkommt. Spider-Man: No Way Home ist, wie Shang Shi and the Legend of the Seven Rings, ein richtiges Highlight. Zweieinhalb Stunden perfekte Unterhaltung und originelles Popcornkino.