Solo: A Star Wars Story

I was there. In the Beginning…

Ups, falsches Franchise. Als nochmal von vorne…. Wir schreiben das Jahr 1978 und Klein-Andy sitzt in einem, mittlerweile nicht existenten, Großkino in Zweibrücken, um dort gebannt auf die Leinwand zu starren. Zu sehen gab es den ersten Star Wars-Film, damals noch ohne den Untertitel Eine neue Hoffnung. Für mich als fast elfjährigen war der Film so etwas wie eine Offenbarung. Zwar hatte ich vorher schon den ein oder anderen Beitrag aus diesem Genre gesehen, aber keiner hinterließ so einen Eindruck wie dieser. Er machte mir Lust nach mehr. Nach mehr Filmen und vor allem nach mehr Weltraumgeschichten. Star Wars hat mich quasi angefixt und ein Feuer entfacht, das bis heute nicht verloschen ist.

Seitdem habe ich jeden Beitrag der Star Wars-Saga im Kino gesehen, sofern er hierzulande dort zu sehen war. Schmerzlich waren die sechzehn Jahre nach Return of the Jedi, in denen nur sehr wenig von dem Franchise zu sehen war. Umso größer war die Freude 1997 mit der Special Edition eine geupdatete Version in die Kinos kam und kurze Zeit später neue Beiträge angekündigt wurden. Doch die hielt nur kurz an, denn vor allem mit der Prequel-Trilogie hatte ich da einige Probleme. Clone Wars fand ich wiederum okay, während ich mir zu Rebels keine abschließende Meinung gebildet habe. Dennoch hat George Lucas, meiner Meinung nach, sein Franchise komplett an die Wand gefahren. Einige Dinge stören mich ganz gewaltig. Beispielsweise die Darstellung von Anakin Skywalker, der nichts anderes als eine verwöhnte, unreife Göre ist. Eine Ähnlichkeit mit dem eiskalten Sith Lord, der in meinen Augen ein wichtiger Bestandteil der ganzen Geschichte ist, sehe ich da nicht. Vielmehr verkam der exzellente Schurke für mich zum Kinderschreck. Außerdem war da noch die Sache mit den Midi-Chlorianern… Aber das würde jetzt zu weit führen.

Nachdem George seine Firma Lucasfilm an den Disney-Konzern verkauft hatte, keimte in mir Hoffnung auf. Zum einen würden sich nun neue kreative Köpfe der Sache annehmen, zum anderen wurde schon im Vorfeld neue Filme und TV-Serien angekündigt. Eine neue Trilogie, die an die alten sechs Teile anschließen sollte und eine Anthologie-Reihe mit Einzelabenteuern. Beides verfolgte ich mit großem Interesse. Doch dann begannen die Arbeiten an den verschiedenen Projekten, was bei den Episoden-Filmen einigermaßen klappte. Aber schon bei dem ersten Anthologie-Film, nun A Star Wars Story genannt, steckte der Teufel im Detail.

Die Arbeiten an Rogue One erwiesen sich in ihrem Verlauf schwieriger als gedacht. Nicht nur, dass Regisseur Gareth Edwards anscheinend mit der Umsetzung seine eigenen Drehbuchs überfordert schien, die Produzenten gingen sogar noch einen Schritt weiter. Es gab nicht nur starke Überarbeitungen am Script, Tony Gilroy (Drehbuch für Die Bourne-Identität) drehte auch große Teile des Film komplett neu. Viele von den Szenen, die man den Fans in diversen Trailern präsentierte, fand man im letztendlichen Produkt nicht mehr wieder. Im Prinzip alles keine guten Zeichen, grade bei einer Großproduktion.

Andererseits, Klassiker wie Vom Winde verweht oder Titanic hatte auch massive Probleme bei ihrer Entstehung. Nein, ich vergleiche Rogue One nicht mit diesen Klassiker, aber dennoch war das Endergebnis besser als erwartet. Tatsächlich erwies sich der erste Beitrag der Anthology-Reihe als ein sehr guter Film, der für mich einiges vom Charme der ursprünglichen Trilogie besitzt.

Noch während des Kinoeinsatzes von Rogue One gab Lucasfilm das nächste Projekt der Reihe bekannt: Es sollte eine Geschichte mit dem jungen Han Solo werden. Der Zuschauer sollte erleben wie der Schmuggler zu dem Charakter geworden ist, den man in Episode IV kennengelernt hat. Keine sehr originelle Idee, fand ich. Wollte man sich etwa auf den sehr gut geschriebenen Bücher von Anne C. Crispin stützen? Nein, es sollte ein originales Drehbuch aus der Feder von Lawrence Kasdan und seinem Sohn Jake werden. Das erleichterte mich etwas, denn Kasdan ist kein unbekannter im Universum der Familie Skywalker und Solo. Aus seiner Feder stammen die Drehbücher von Episode V (zusammen mit Leigh Brackett) und Episode VI. Zudem hat er auch Jäger des verlorenen Schatzes geschrieben und auch als Regisseur hatte er seine Sporen verdient. Außerdem fungierte er einige Zeit als Aufsicht für die neuen Star Wars-Projekte. Eine Aufgabe, die er nach Solo nicht mehr wahrnehmen wird, wie er schon im Vorfeld verkündete.

Aber auch die derzeitige Chefin von Lucasfilm, Kathleen Kennedy, ist jemand, die nicht nur mit Star Wars vertraut ist. Sie hat an allen Indiana Jones-Filmen mitgearbeitet und war lange Zeit als Leitern von Steven Spielbergs Amblin Entertainment tätig. Zusammen mit ihrem Mann Frank Marshall war sie auch mit ihrer eigenen Firma sehr erfolgreich. In ihrer Filmografie finden sich einige der größten Blockbuster aller Zeiten. Kennedy ist also jemand, die genau weiß, was sie will. Als man Phil Lord und Chris Miller als Regisseure für Solo auswählte, war ich etwas überrascht. Gut, die beiden Regisseure hatten in den letzten Jahren einige Erfolge vorzuweisen, wie beispielsweise The Lego Movie oder Wolkig mit der Aussicht auf Fleischbällchen. Also eigentlich schon die richtigen, die mit einem prestigeträchtigen Franchise zurechtkommen sollten. Umso größer war die Verwunderung als die beiden drei Wochen vor Ende der Dreharbeiten von Kennedy gefeuert wurde. Man sprach von den üblichen kreativen Differenzen, doch aus anderen Quellen, wie beispielsweise der Variety, hörte man anderes. Die Vorstellungen zwischen den Regisseurin und ihrer Chefin gingen einfach zu weit auseinander. Der Han Solo-Film schien unter keinem guten Stern zu stehen. Immerhin war das Ding fast fertig. Andererseits, an dem Spruch: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“ ist schon was dran. Mit dem Rest der Arbeiten wurde Ron Howard betraut. Damit hatte man nicht nur einen renommierten Namen gewonnen, sondern auch jemanden, der schon bei Episode I schon einmal im Gespräch als Regisseur für das Franchise war. Außerdem hatte er schon einmal mit Lucasfilm zusammengearbeitet. Willow gehört heute zu einem der großen Klassiker des Fantasy-Films und genießt zurecht Kultstatus.

Die weiteren Meldungen, die man über üblichen Quellen über die Arbeiten an Solo hörte, machten wenig Hoffnung. Wie würde Howard die Sache angehen? Wieviel von dem bereits vorhandenen Material würde er verwenden? Wie würde der letztendliche Film aussehen? Fragen über Fragen. Auf jeden Fall hat der ehemalige Kinderstar soviel neu gedreht, dass ihm der alleinige Regie-Credit von der Director’s Guild zugesprochen wurde. Lord und Miller werden als Executive Producer geführt.

Bei mir lösten diese Meldungen Unbehagen aus. Obwohl meine Ansprüche an Star Wars, wie oben schon erwähnt, nach der Prequel-Trilogie auf einem absoluten Minimum gelandet sind, fand ich einen Film über den jungen Han Solo recht unnötig. Aber dann kam der erste Trailer, dann der zweite. Meiner Skepsis folgte Neugier. Natürlich würde ich mir den Streifen im Kino anschauen. Schließlich soll man auch gesehen haben, über was man schimpft.

Mit diesem Vorsatz setzte ich mich am Startwochenende mit sehr netter Begleitung ins Kino, um positiv überrascht zu werden. In Anbetracht der bewegten Produktionsgeschichte wird dem Zuschauer ein solider, sehr unterhaltsamer Film geliefert. Solo: A Star Wars Story ist eine actionreiche Space Opera, die nicht nur mit schnellen Raumschiffen aufwarten kann, sondern auch mit interessanten Charakteren. Die bekannten Figuren in jungen Jahren kennenzulernen, hat schon was. Doch die neuen Charaktere sind im Prinzip die Würze des Films. Allen voran Woody Harrelson als Hans Mentor Tobias Beckett. Emilia Clarke glänzt als Qi’ra nicht nur als Love Interest des Titelhelden, sondern auch als Frau mit einem düsteren Geheimnis. Donald Glover ist als Lando fast so cool wie Billy Dee Williams. Aber mein persönliches Highlight war Paul Bettany als Crimelord Dryden Vos. Nach langer Zeit einmal wieder ein Schurke im Star Wars-Universum, der nicht weichgespült war.

Und Alden Ehrenreich? Wie sieht es mit ihm aus? Auch hier war ich Anfangs skeptisch. Was ich bisher mit ihm sah, riss mich nicht wirklich vom Hocker. Doch als Han Solo überrascht er. Die Fußstapfen von Harrison Ford sind sehr groß. Aber Ehrenreich während der ganzen Zeit eine recht gute Figur. Man nimmt ihn den draufgängerischen Protagonisten von der ersten bis zur letzten Minute ab.

Handlungsmäßig wird so ziemlich alles abgearbeitet, was man über Hans frühe Zeit so weiß. Seine Kindheit auf Corellia, sein Rauswurf aus der imperialen Akademie und sein Werdegang zum Schmuggler. Natürlich ist eins der großen Highlights die erste Begegnung mit Chewbacca und wie die beiden zu den Freunden werden, wie man sie später kennt. Das vermischt man mit zahlreichen Eastereggs zur bereits bekannten Saga. Man darf sogar den Anfang von jeder Bewegung erleben, aus der später die Rebellion entstehen wird.

Schnelle Raumschiffe, heiße Schmuggelware, zwielichtige Helden und eine Frau, die einem das Herz brechen kann. Das ist zwar nichts Neues, aber die Mischung passt. Ron Howard hat sehr leichtfüßige Unterhaltung inszeniert, mit der man ohne Probleme einen schönen Kinoabend mit jeder Menge Knabberzeug verbringen kann. Und mehr will Solo: A Star Wars Story auch nicht sein: Popcornkino vom Allerfeinsten

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