Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Vieles, was früher selbstverständlich war, hat sich mit COVID-1 komplett geändert und muss neu definiert werden. Die Unterhaltungsbranche ist da keine Ausnahme. Veranstaltungen oder auch Kinobesuche waren lang Zeit nicht möglich oder sind, mittlerweile, unter Auflagen möglich. Eben das verhindert die riesigen Umsätze, die früher gemacht wurden. Eine schmerzliche Erfahrung, nicht nur für die Filmindustrie. Gerade hier, wo schon ein lahmes Wochenende über das Schicksal einer Großproduktion entscheiden kann, gerät man immer schneller ins Schleudern. Denn genau diese haben nun das Problem, dass sie nicht mehr in die Gewinnzone kommen können. Ein Grund, warum man sie lieber verschiebt, bevor es zur Katastrophe kommt.

Entgegen kommt den großen Studios dabei, dass es mittlerweile ihnen angeschlossene Streamingdienste gibt, mit denen man den Kunden auch zuhause beliefern kann. Doch nach welchem Konzept sollte man da vorgehen?

Auch beim Disney-Konzern suchte man nach einer Lösung. Mit Disney+ hat man ein mächtiges Instrument in der, um seine Produkte in einem anderen Rahmen zu vermarkten. Also warum sollte der Kunde für aktuellen Content nicht etwas Extra zahlen? So führte man für aktuelle Produktionen ein sogenanntes VIP-Ticket ein. Quasi so etwas wie das Golden Ticket von Willy Wonka. Das lief zuerst gut, aber spätestens, nachdem Scarlett Johansson den Disney Konzern wegen Black Widow verklagte, trennte man sich von diesem Konzept. Mittlerweile setzt der Konzern auf ein Zeitfenster zwischen Kinostart und Streamingauswertung, was sich auch als effektiv erwies. Tatsächlich war Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings der Testballon, bei dem dieses Konzept mit Erfolg getestet wurde.

Shang-Chi ist in Deutschland kein ganz unbekannter Marvel-Held, auch wenn das Erscheinen der Comics schon einige Zeit zurückliegt. Ende der siebziger Jahre wurden die Serie vom Williams Verlag unter dem Titel Die tödlichen Hände des Kung-Fu veröffentlicht. Jeweils vier US-Hefte wurden in einem deutschen Heft zusammengefasst, von denen insgesamt 6 Ausgaben erschienen. Die Reihe wurde wegen der damals dargestellten Gewalt kontrovers aufgenommen, was auch bald die Bundesprüfstelle auf den Plan rief. Die beiden letzten Ausgaben wurden indiziert. Erst 2002 wurden sie wieder von der Liste genommen. So viel zur Geschichte, schauen wir uns nun den Film an.

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings ist eine unerwartete Überraschung, die zeigt, dass doch noch sehr viel Musik in der oft zitierten Marvel-Formel steckt. Tatsächlich ist es Regisseur Destin Michael Cretton gelungen einen Film zu schaffen, der in seinem Konzept etwas an Iron Man erinnert. Kein Wunder, denn die titelgebende Organisation der Zehn Ringe wurde bereits im ersten Beitrag des MCU eingeführt. In Iron Man 3 wurde dies fortgeführt und in dem Marvel Short All Hail the King zu einem offenen Ende gebracht. Nun lernt man den Mann kennen, der als Mandarin bekannt ist. Alles im MCU ist miteinander verbunden…

Shaun lebt eigentlich ein recht unauffälliges Leben. Er arbeitet mit seiner Freundin Katy als Parkwächter, leiht sich mit ihr ab und zu mal ein Auto für eine Spritztour aus oder frönt feuchtfröhlichem Karaoke. Alles ändert sich nach einem Angriff auf die beiden in einem Bus. Es stellt sich heraus, dass Shaun eigentlich Shang-Chi heißt und der Sohn des unsterblichen Xu Wenwu ist. Dieser hat in seiner eintausendjährigen Lebenszeit die Organisation der Zehn Ringe aufgebaut, die so ziemlich in allen kriminellen Geschehnissen die Finger drin hat. Nun scheint er nach Shang-Chi und seiner Schwester Xialing zu suchen, weil sie ein Artefakt besitzen, das für ihn sehr wichtig geworden ist…

Im 25. Beitrag des Marvel Cinematic Universe fügt man dem bewährten Rezept noch einen Hauch fernöstlicher Mystik hinzu, was sehr gut funktioniert. Die Autoren bieten eine durchdachte, originale Handlung, in der sich die Figuren nicht ganz so ernst nehmen. Das macht einen großen Teil des Charmes von Shang-Chi aus. Mit Simu Liu hat man als Hauptdarsteller auf ein unverbrauchtes Gesicht gesetzt, dem man mit Tony Leung und Michelle Yeoh zwei Superstars des asiatischen Kinos zur Seite gestellt hat. Ein absoluter Scene Stealer ist Awkwafina als Katy deren Humor einfach nur grandios ist. Die auch als Rapperin bekannte Schauspielerin stellt ein angenehmes Gegengewicht zur Hauptfigur darstellt.

Für Shang-Chi erwies sich das Corona-Virus als eine Art Glücksfall. Da man die Produktion einige Zeit unterbrechen musste, nutzte der Regisseur die Zeit um den Drehbuch den letzten Schliff zu und die Actionszenen eingehend zu bearbeiten. Das ist dem Endergebnis recht gut bekommen. Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings läuft viel runder als beispielsweise Black Widow, wirkt ehr leichtfüßig, auch wenn er stellenweise mit den üblichen MCU-Logiklöchern zu kämpfen hat. Dennoch bietet der Film sehr kurzweilige Unterhaltung, mit der man für gut zwei Stunden aus dem tristen Alltag entfliehen kann. Ja, Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings macht richtig Spaß!!!