Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Was haben Mathematik und Mainstreamkino gemeinsam? Beide arbeiten oft mit Formeln, die manchmal mehr, meistens aber weniger aufgehen. Blickt man über die Landschaft des Mainstreamfilms, so bekommt man den Eindruck, dass die großen Studios immer nur auf der Suche nach einem neunen Franchise sind, mit denen man gewaltige Umsätze erzielen kann. Dabei redet man nicht unbedingt von den Star Wars– oder den Marvel-Filmen, sondern vielmehr auch von der Flut an Jugendbuchverfilmungen, die über den Zuschauer mittlerweile hereinbricht. Gerade Harry Potter hat eindrucksvoll vorgemacht wie man mit solchen Stoffen Menschen in die Kinosäle locken kann. Auf der anderen Seite gibt es auch genug Bespiele, bei denen diese Formel nicht aufgegangen ist und meist nach einem Beitrag das entsprechende Franchise gecancelt wurde. Wieder andere wurden von der Leinwand auf den Bildschirm verbannt, wo sie ein Dasein auf dem ein oder anderen Streamingportal fristen.

Unbestritten ist Harry Potter ein Phänomen, das durchaus mit Star Wars zu vergleichen ist. J. K. Rowling hat in ihren Romanen eine faszinierende Welt entworfen, die nicht nur für Jugendliche einen großen Reiz besitzt. Und wem schon die Romane gut gefallen haben, der schaut sich oft die Adaptionen auch im Kino an. Doch nachdem man alle Bücher verfilmt hatte, war guter Rat teuer. Mit was wollte man das Publikum weiter melken? Nach einiger Überlegung fand Warner Brothers eine Lösung. Nur J. K. Rowling, der es gelungen ist die kreative Gewalt über ihr Universum weitgehendst zu behalten, musste noch davon überzeugt werden. Aber wie lockt man einen Menschen, bei dem Geld keine Rolle mehr spielt? Richtig, man reizt ihn mit etwas, was er schon immer probieren wollte. Man gab Rowling die Möglichkeit die Drehbücher für die neue Reihe zu schreiben. Dazu muss man sage, dass die Autorin schon während der Potter-Filme dem Drehbuchautor Steve Kloves über die Schulter geschaut hat.

Um es vorauszuschicken: Phantastische Tiere und wo man sie finden kann ist keine Verfilmung des „Sachbuchs“ aus der Feder von Newt Scamander (J. K. Rowling). Vielmehr handelt es sich hier um eine originale Geschichte um den Autor, dessen Werk in Hogwart’s als Unterrichtsstandard gilt. Seine Abenteuer in New York stehen hier im Vordergrund, wobei es sich zeigt wie sicher sich die Autorin in ihrem eigenen Universum bewegt. Dies macht sich vor allem in zahlreichen kleinen und großen Andeutungen bemerkbar, die der ein oder andere Fan durchaus zu deuten weiß. Interessant ist auch die etwas düstere Zeichnung der USA. Hier ist nicht alles goldig, sondern vielmehr müssen sich hier Zauberer und Hexen vor den No-Majs (Muggles) verstecken und sogar Verfolgung befürchten. Außerdem sind die Regeln auch etwas restriktiver, denn kein Zauberkundiger darf sich mit normalen Menschen einlassen.

Als Hintergrund dient außerdem der Konflikt mit dem Zauberer Grindelwald, der im Prinzip nichts Anderes wie ein Proto-Voldemort zu sein scheint. Aber leider ist sein Auftritt in diesem Film zu kurz, um sich ein abschließendes Urteil zu finden. Dennoch werden Kenner wissen, in welcher Beziehung Grindelwald zu einer der Hauptfiguren aus dem Potterverse steht.

Phantastische Tiere beeindruckt mit dem gleichen Produktionsaufwand wie die letzten Harry Potter-Filme. Kein Wunder, denn Regisseur David Yates hat diese auch inszeniert. So spürt man auch eine gewisse Vertrautheit mit Stoff, die dem Film zugutekommt. Ebenfalls interessant erweist sich auch die Besetzung. Eddie Redmayne gibt als linkischer Newt Scamander eine gute Leistung ab. Genauso wie Dan Folger, der als No-Maj mehr durch Zufall in die Handlung hineingezogen wird. Colin Farrell und Ezra Miller beeindrucken als sehr undurchsichtige Schurken, was ebenfalls zu gefallen weiß.

Dem gegenüber steht eine oft dünne Handlung, die zudem noch ziemlich schwer in die Gänge kommt. Wenn die zähe erste halbe Stunde überstanden ist, entwickelt sich ein solider Streifen, der zwar hinter den Harry Potter-Filmen zurückbleibt, aber dennoch einiges an Zauber besitzt. Natürlich ist auch hier die Handlung auf mehrere Filme (fünf an der Zahl) ausgelegt, so dass schon hier zahlreiche Hinweise auf die weitere Handlung gegeben werden. Zwar ist das Streuen der kleinen Infos manchmal etwas ermüdend, aber man wird am Ende mit einer netten Wendung überrascht. Aber auch der augenzwinkernde Humor und die Tatsache, dass man sich selbst nicht ganz so ernst nimmt, verleiht dem Film einen gewissen Charme. Phantastische Tiere ist zwar nicht unbedingt ein Meisterwerk, bietet aber dennoch sehr solide Unterhaltung und hat einiges an schönen Schauwerten zu bieten, was ihn insgesamt sehr sehenswert macht.

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