Nick Knatterton

Es soll ja Leute geben, die ihre Bücher nicht ungelesen einfach ins Regal, sondern auch manchmal dazu sie zu lesen. Manchmal sogar, im mehr oder weniger großen Abstand, sogar mehrmals. Für Leseratten nichts Ungewöhnliches, denn sowas ist so, als ob man alte Freunde nach mehr oder weniger langer Zeit mal wieder besucht. Dabei ist es oft interessant, manche Sachen mit dem Abstand von einigen Jahren zu lesen.

Nick Knatterton gehört zu den Sachen, zu denen ich immer wieder gerne greife. Sei es nun in der alten zweibändigen Taschenbuchausgabe oder in der von mir bereits im Häxler besprochenen Gesamtausgabe aus dem Lappan Verlag. Für manchem mag dem Comic-Urgestein noch der Mief der 50er Jahre anzuhängen, aber nach meiner Meinung ist der Stoff im Laufe der Zeit gut gealtert. Zeichner und Autor Manfred Schmidt galt damals als frech, nicht nur weil er mit gekonntem Strich das damalige Frauenbild karikierte. Seine Witze über die prüde Bundesrepublik oder das Finanzamt mögen aus heutiger Sicht recht zahm sein, aber damals trafen sie durchaus den Zeitgeist. Zudem persifliert Schmidt gekonnt gängige Krimiklischees. Aber es ist sein subtiler Humor, der die Strips heute immer noch lesenswert macht.

Knatterton wartet aber auch mit allerlei Gadgets auf, die stark an einen gewissen, britischen Geheimagenten erinnern, dessen erster Leinwandauftritt noch einige Zeit auf sich warten lassen sollte. Als James Bond 1962 in die Kinos kam, war Nick Knatterton schon lange Geschichte. Über die Frage zu diskutieren, wer nun bei wem geklaut hat, ist müßig. Wie bei vielen Genres sind die Sujets bei Krimi- oder Agentenromanen relativ schnell abgedeckt, ähnlich wie bei der Science Fiction.

Fünf Jahre ist es her, seitdem ich das Buch über Knatterton zum letzten Mal gelesen habe. In dieser Zeit hat sich einiges bei mir geändert, auch meine Lesegewohnheiten. So kommt der obige Vergleich mit dem alten Freund wieder ins Spiel, den ich weiter oben gemacht habe. Nick hat sich nicht verändert. Er ist nach wie vor der Meisterdetektiv, der seine Fälle mit einem Augenzwinkern löst und manchmal die Ganoven auch mit einem blauen Auge davonkommen lässt. Genau das macht ihn, meiner Ansicht nach, so menschlich. Gerade in Zeiten, in denen man nur noch schwer von Gut und Böse unterscheiden kann, ist er eine gut gealterte, oft immer noch passende Größe. So hat es dann auch wieder Spaß gemacht, den alten Freund bei seinen Fällen zu begleiten. Wie damals, als ich die Geschichten zum ersten Mal gelesen habe.

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