Mal etwas in eigener Sache

Große Veränderungen sind nicht so meins. Manchmal ist es wohltuend, wenn es so gut läuft wie es läuft. Vielleicht klingt die Einstellung für den ein oder anderen seltsam, aber gerade in diesem Moment umschreibt das meine Situation recht gut.

Einige meiner Leser wissen, dass ich lange Zeit für einen großen Internetanbieter gearbeitet habe. Den Job habe ich 2015 aus diversen, teilweise nicht sehr angenehmen Gründen aufgegeben. Danach tingelte sich durch verschiedene Callcenter im Saarland, was mich ebenfalls nicht befriedigte. Also entschied ich mich, nach einer Empfehlung, mal in der Sicherheitsbranche umzuschauen. Mittlerweile ist es gar nicht leicht mehr dort einen Job zu finden, denn für die seriöse Arbeit in dieser Branche ist mittlerweile eine Sachkundeprüfung gemäß §34a der Gewerbeordnung zwingend erforderlich. 2017 gab es noch eine Gnadenfrist, während der es für diejenigen, die sie noch nicht hatten, diese noch nachholen konnten. Seit 2018 kann man ohne die Sachkundeprüfung höchstens noch einen Parkplatz bewachen. Alles andere ist verwehrt. Und es werden Kontrollen dazu durchgeführt und es werden auch Geldstrafen dafür verhängt.

Der Empfehlung folgte eine kleine Überlegungsphase. Danach entschied ich mich nochmal die Schulbank zu drücken Über drei Monaten lang wurde mir eine sehr große Menge mit allen möglichen Gesetzen und Verordnungen eingetrichtert. So leicht wie ich es mir vorgestellt hatte, war es nicht. Irgendwie war mir das Lernen früher leichter gefallen. Lag vielleicht auch an der Trockenheit des Stoffes. Dennoch im Sommer 2017 habe ich dann vor IHK in Mainz meine Sachkundeprüfung abgelegt und auf Anhieb bestanden. Danach begann ich für eine größere Sicherheitsfirma im Werkschutz zu arbeiten.

Oft ist es ja so, dass man das Blaue vom Himmel versprochen bekommt. In der Sicherheitsbranche ist das nicht anders. Hier herrscht immer chronischer Personalmangel, ähnlich wie in ähnlich nicht so gut bezahlten Bereichen. Zwölf-Stunden-Wechselschichten sind die Regel, was manchmal recht nervig ist. Wenn man dann noch in einer Firma arbeitet, deren Dienstplan sich manchmal mehrmals am Tag ändert, kann man sich gar nichts mehr vornehmen. Als ich arbeitslos war, konnte ich mir den ein oder anderen Con nicht leisten. Nun konnte ich nicht hin, weil ich am Wochenende Dienst hatte. Das war aber nicht das einzig ärgerliche. Der Job wurde immer zeitintensiver. Meine Lust auf andere Sachen schwand immer mehr. Und nach einer 12-Stunden-Schicht setzte ich immer weniger gerne nochmal vor den Computer. Ich vernachlässigte nicht nur meine beiden Blogs, sondern auch das Schreiben im Besonderen.

Warum ich mir das angetan habe? Ganz einfach, ich wollte nicht in Hartz IV abrutschen. Ist mir schon passiert und nicht gerade empfehlenswert. Andererseits macht mir der Job im Werkschutz auch Spaß. Man hat nicht nur viel mit Menschen zu tun, sondern es wird auch nicht langweilig. Klar, es gibt Phasen, in denen nichts passiert. Aber wenn es dann mal rund geht, wird es interessant. Auch von der schriftstellerischen Seite kann man einiges davon abgewinnen. Deswegen sehe ich das auch etwas als Recherche. Vor allem was die Gestaltung von Protagonisten angeht.

In meiner Zeit in der großen Sicherheitsfirma, die immer mehr in Verruf kommt, war ich aber nicht nur im Werkschutz tätig. Man reichte mich rum. So war ich beispielsweise als Sicherheitsmann beim Jobcenter in Neunkirchen eingesetzt. Eine ganz intensive Erfahrung war für mich der Einsatz in einer Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende, kurz auch AfA genannt. Es ist eins, wenn man Bilder im Fernsehen sieht. Doch wenn man mit den Leuten, die über die diversen Routen nach Deutschland gekommen sind, ist das was ganz anderes. Wenn ein Vater erzählt, dass seine Familie zuhause mit fünf Kindern geflohen ist und sie nur mit drei angekommen ist, beschleicht einem schon ein merkwürdiges Gefühl. Oder weil man geflohen ist, weil man in seiner Heimat um Leib und Leben fürchten muss; nur weil mal schwul ist. Dann gibt es noch Leute, die dann noch ihr Essen mit dir teilen. Obwohl sie eigentlich selbst nix haben. Wie bei allem, bei dem Menschen im Spiel sind, gibt es auch negative Beispiele. Aber die sind nicht die Regel. Zumindest nicht so, wie so sie von gewissen politischen Strömungen hochgespielt werden.

Irgendwann war das Maß voll. Viele Kleinigkeiten in der Organisation bauten sich immer mehr zu einem großen Problem auf. Also entschied ich mich dazu, alles hinzuschmeißen und woanders mein Glück zu finden. Seit September 2018 bin ich für eine andere Sicherheitsfirma tätig. Eine deutliche Verbesserung hat sich eingestellt. Vor allem mehr Planungssicherheit, was mir sehr wichtig ist. Zwar mache ich immer noch Werkschutz, aber die Aufgaben sind etwas anspruchsvoller geworden. Man hat etwas mehr Verantwortung, aber genau das macht die Sache nun auch reizvoller. Zurzeit sind auch die Stunden in einem erträglichen Rahmen. Nun, nachdem ich mich eingewöhnt habe, komme ich auch wieder zum Schreiben. Nach und nach habe ich vor auch meine beiden Blogs wieder mit Beiträgen zu füttern, was mir hoffentlich auch gelingt.

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