Gretel & Hänsel

Ein schönes Heimkino kann durchaus eine Alternative zu einem Kinobesuch sein. Aber einen vollwertiger Ersatz ist es nicht. Deswegen waren meine Kinofreundin Eva und ich auf sehr froh darüber, als das hiesige endlich wieder seine Pforten öffnete. Gut, die Filmauswahl ist im Moment nicht sehr üppig, aber wir entschieden uns gegen Die Känguru-Chroniken und für Gretel & Hänsel. Im Vorfeld hatte ich nur wenig über den Film gelesen, was ich als sehr angenehm empfand. So wusste ich nicht, was auf mich zukommen würde.

In den letzten Jahren wurde die bekannte Geschichte schon mehrmals in verschiedenen Formen auf die Leinwand gebracht. Hänsel & Gretel: Hexenjäger hatte mir sogar einigen Spaß gemacht, wenn auch nur in der ungekürzten Version auf Blu-ray. Aber diese Version ist anders. Die Geschichte wird verwebt mit diversen Elementen aus der Welt der Hexen und präsentiert sich in kalten, rauen Bildern. Dabei erinnerte mich die Ästhetik stark an Stanley Kubricks Shining. Es gibt einige Szenen, die in warmen Licht gebadet sind. Doch meist wirkt dies sehr künstlich und unpassend. Genau wie die Welt, in der die Hexe Holda lebt, die Gretel und Hänsel bei sich aufnimmt. Reizvoll sind auch die Waldsequenzen, die meist im Dämmerlicht spielen und unterschwellig bedrohlich wirken.

Allerdings machen eine interessante Ästhetik und eine schöne technische Ausführung noch keinen guten Film aus. Bei Gretel & Hänsel hapert es von Anfang an der Story. Sie plätschert ohne nennenswerten Höhepunkt vor sich hin und selbst der Showdown am Ende kann die ganze Sachen nicht richtig herausreißen. Der Streifen lebt eigentlich nur von dem Kammerspiel von Alice Krige (Die Stunde des Siegers, Star Trek: Der erste Kontakt, Carnival Row) und Sophia Lillis (Es I & II). Hier läuft Gretel & Hänsel kurzzeitig zur Hochform auf, welche relativ schnell, auch wegen der vorhersehbaren Auflösung, sehr schnell im Sand verläuft. Schade, denn man spürt das Potential des Drehbuchs, das ganz und gar nicht ausgeschöpft wurde.

Am Ende hat man es mit einem düster esoterischen Fantasyfilm von der Stange zu tun, der zwar stilistisch interessant ist, aber sonst keinen Hund hinter dem Ofen hervorlockt.