Godzilla II: King of the Monsters

Was war mein Erstkontakt mit der Phantastik? Auf diese Frage antworte ich meistens mit „Star Wars 1978“. Nun, das stimmt nicht ganz. Eigentlich war es schon wesentlich früher gewesen.  Meine Mutter hat früher PERRY RHODAN gelesen, was sie auch heute noch ab und an macht. So gehört zu einer meiner frühsten Erinnerungen ein recht buntes Heftchen mit einem roten Balken, in dem allerdings kaum Bilder waren. Damals konnte ich noch nicht ahnen, wie sehr mir diese, mir damals noch obskure, Raketenheftserie mal ans Herz wachsen würde. Und was Star Wars betrifft? Den Film von George Lucas sehe ich als meinen bewussten Einstieg in die ganze Sache an.

Erwähnen muss ich auch, dass mich meine Eltern in den frühen siebziger Jahren für die Sommerferien zu meiner Oma in Zweibrücken schickten. Sie war eine große Kinogängerin und ihr habe ich den ersten Besuch in einem Lichtspielhaus zu verdanken. Bei dieser Gelegenheit wurde ich dann auch schon gleich gründlich „verdorben“. Sie nahm mich in den britischen Monsterfilm Gorgo mit, der in einer Nachmittagsvorstellung lief. Ja, in der Zeit bevor es VHS, DVD oder Blu-ray gab, wurden in den Kinos oft auch ältere Filme gezeigt. Besonders in den Sommermonaten, in der sogenannten Sauren-Gurken-Zeit. Aus heutiger Sicht ist Gorgo ein Versuch das Konzept des japanischen Kaiju-Films auf einen westlichen Nenner zu bringe. Der Monsterstreifen hat seine Momente, doch an sein Vorbild kommt er keine Sekunde heran, wie ich später noch feststellen sollte.

Gorgo weckte in mir die Leidenschaft nach mehr Monsterfilmen. Und so fand man mich bald regelmäßig samstags oder sonntags schon früh im Kino. In den sogenannten Jugendvorstellungen wurde ein buntes Potpourri gezeigt, das sich über italienische Sandalenepen, Winnetou, Eastern und so manchem billigen SF-Film erstreckte. Ab und zu verirrte sich auch der ein oder andere Klassiker auf die Leinwand. Das Highlight waren allerdings die Godzilla-Filme. Den Begriff Kaiju kannte ich damals noch nicht, aber Spaß gemacht haben mir die Sachen damals schon.

Daran hat sich bis heute fast nichts geändert. Der große grüne Kerl bereitet mir immer noch viel Spaß. Einer der Gründe, weswegen ich die Versuche ihn zu kopieren immer mit Interesse beobachte. Sei es nun der Beitrag von Roland Emmerich oder der von Gareth Edwards. Letzterer erwies sich als gar nicht mal so übel. Auch wenn man die titelgebende Figur nie so richtig zu Gesicht bekam. Doch Godzilla war auch der Startschuss zum dem Monsterverse von Legendary Pictures. Auch hier stand die Idee des Marvel Cinematic Universe Pate. Doch im Gegensatz zu anderen Studios ließ man sich hier mit den Beiträgen Zeit. Deswegen ist dieses Monsterverse auch recht übersichtlich.

Was mit Edwards Godzilla begann, wurde mit Kong: Skull Island fortgesetzt. An dessen Ende wurde dann der nächste Beitrag angeteast, der im Juni 2019 dann in die Kinos kam: Godzilla II: King of the Monsters.

2014 wirkte alles noch etwas zaghaft. Als ob man sich nicht richtig traute das Monster einzusetzen. Das ist 2019 anders. Es wird nicht mehr gekleckert, es wird geklotzt. Nicht nur Godzilla gibt sich die Ehre, sondern auch Ghidorah, Mothra und Rodan. Ein kluger Schachzug, denn es handelt sich bei dem Quartett um die beliebtesten Kaiju des japanischen Kinos. Ebenfalls auffallend ist es, wie gut der Regisseur und sein Team ihre Hausaufgaben gemacht haben. Man orientiert sich stark am Konzept der japanischen Originale. Das zeigt sich nicht nur in dem ein oder anderen Storyelement. Auch einige der typischen Kameraeinstellungen findet man wieder. So kloppen sich die Monster nun mit Hilfe modernster Tricktechnik über die Leinwand.

Mich haben aber auch die vielen Reminiszenzen an die japanischen Vorbilder gefreut. Man streut nicht nur bekannte Begriffe, wie Monster Zero oder den Oxygen Zerstörer, ein und geht auch auf die Mythologie hinter den Ungeheuern ein. Seien es nun die Zwillinge, die Mothra begleiten oder die Herkunft von Ghidorah, der überhaupt nicht in das monströse Ökosystem passt. Man denkt allerdings auch an das eigene Monsterverse, denn es gibt direkte Bezüge zu den beiden vorangegangenen Beiträgen dazu. Für die weitere Entwicklung ist das nicht ganz unwichtig, denn immerhin sollen in absehbarer Zeit King Kong und Godzilla gegeneinander antreten.

Auf der Habenseite von Godzilla II steht ein etwas schwaches Drehbuch mit jeder Menge Plotholes. Auch die menschlichen Charaktere kommen, im Gegensatz zu dem Film aus dem Jahr 2014, sehr viel kürzer. Auch hier hat man von den japanischen Originalen etwas abgeschaut. Andererseits bei dieser Art von Film ist das für den geneigten Fan eher zweitranging. Vielmehr freut man sich auf das Gekloppe auf der Leinwand, wenn die guten und die bösen Kaiju aufeinandertreffen. Mehr als bombastisches Popcornkino mit exzellenten Spezialeffekten will der Streifen auch gar nicht sein. Für mich die perfekte Unterhaltung um die Alltagssorgen mal zwei Stunden hinter sich zu lassen. Damit hat der Streifen für mich seinen Zweck bestens erfüllt.