Deadpool 2

"Wie? Sie wollen einen Superhelden-Film machen, der mehr für ein erwachsenes Publikum gemacht ist? Nein, Mr. Reynolds, das ist auf keinen Fall machbar. Denken Sie doch daran was das für katastrophale Auswirkungen auf das Einspielergebnis hätte. Das wollen Sie doch wirklich nicht, oder?"

So ähnlich müssen sich die Argumente angehört haben, die Ryan Reynolds immer wieder von der Fox-Chefetage zu hören bekam, wenn er dort sein Traumprojekt Deadpool präsentierte. Schon bevor er eine stark abgewandelte Version von Wade Wilson im ersten Solo-Auftritt von Wolverine gespielt hat, hatte er an dieser Marvel-Figur gefallen gefunden. Bereits zu seinen Green Lantern-Zeiten kursierten entsprechende Gerüchte. Der Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent ließ nicht locker. Fox rieb sich allerdings an seinen Vorstellungen einen Superhelden-Film zu machen, der nicht für ein jugendliches Publikum gedacht war. Schließlich wollte man das Publikum, das auch die Streifen aus dem MCU konsumierte, nicht mit kruden Witzen und übermäßiger Gewalt überfordern. Auf der anderen Seite, mit Ryan Reynolds hatte man einen Darsteller, der nicht nur gut aussah, sondern auch bereits bei anderen Projekten für guten Umsatz gesorgt hatte. Irgendwann machte die also die Vehemenz des Stars bezahlt und er bekam grünes Licht für sein Traumprojekt. Allerdings zu einem etwas kleineren Budget als vergleichbare Filme. Schließlich wollte man das Risiko so gering wie möglich halten. Der Rest ist Geschichte. Deadpool entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres 2016 und ebnete den Weg für ähnliche Projekt, wie beispielsweise James Mangolds Logan.

Schon während des Kinoeinsatzes stellte sich heraus, dass Reynolds genau den Nerv getroffen hatte. Einerseits gab es für die nicht ganz so gewalttätigen MCU-Abenteuer ein Publikum, andererseits konnten sich jede Menge Zuschauer mit auch für einen etwas "erwachsernen" Superheld begeistern. Ob das für Fox nun eine Überraschung war oder nicht, der Erfolg von Deadpool sollte Folgen haben. Relativ früh wurde grünes Licht für ein Sequel gegeben. So früh, dass die frohe Kunde schon in einer Post Credit-Szene verbreitet wurde, in der schon konkrete Andeutungen auf einen eventuellen Gegner gemacht wurde. Reynolds Wunschkandidat war Cable. Man durfte also gespannt sein.

Deadpool 2 ist wohl unbestritten einer der am meisten erwarteten des Kinosommers 2018. Nach meiner Meinung bleibt das Endergebnis hinter dem ersten Teil zurück, nicht viel, aber doch etwas. Wie in der Liebe hat man sich beim zweiten Mal etwas mehr getraut. Das betrifft nicht nur das höhere Budget. Der Humor ist anarchistischer, an der Gewaltschraube wurde noch etwas mehr gedreht und Regisseur David Leitch (bekannt geworden durch John Wick) hat Gelegenheit sich richtig auszutoben. Man bekommt fast den Eindruck, Ryan Reynolds und sein Team haben von Fox quasi einen Freifahrtschein für dieses Projekt bekommen.

Woran man das merkt? Auf jeden Fall an der Spielfreude der Darsteller. Ryan Reynolds und T. J. Miller brillieren wieder mit schrägen, oft kruden Lachern. Josh Brolin, der im Kinosommer 2018 (und auch 2019) als Thanos im MCU brillieren durfte, bildet mit seinem mürrisch, sehr grimmigen Cable ein angenehmes Gegengewicht, wobei er auch einige Lacher auf seiner Seite hat. Zudem nutzt man die Chance mit X-Force eine weitere Mutantengruppe einzuführen, die nicht nur einen gewissen Ruf besitzt, sondern vielleicht eine weitere Perspektive für die Zukunft des Franchises unter der Fox-Ägide bietet. Vielleicht wird man in Zukunft mehr von der der Truppe hören.

Über Geschmack kann man streiten. Aber mir persönlich hat Deadpool 2 sehr viel Spaß gemacht. Die Gewalt in dem Streifen ist so überzogen, dass ich man sie unmöglich ernst nehmen kann. Dazu kommt noch der anarchistische Humor, der sogar am Ende so weit geht, um die eigentlichen Motive des Titelhelden in Frage zu stellen. Wen kümmert es? Deadpool 2 so ist ein "Gute-Laune-Film", der im Prinzip nur unterhalten will.  Und das bekommt er verdammt gut hin.

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