Curtis, Perry und ich

Eigentlich wollte ich einen nicht so recht glücklichen Jahresrückblick schreiben, aber irgendwie ging mir das nicht so leicht von der Hand. Ja, 2020 war haarig und die letzen fünf Monate haben mir auch ihre Zähne gezeigt, aber ich will zuversichtlich in das kommende Jahr schauen. Ich bedauere nur, dass ich nicht soviel Zeit zum Schreiben hatte, wie ich gerne gehabt hätte. Aber vielleicht sollte ich mir ein passendes Zeitmanagement zulegen, damit es 2021 besser wird. Könnte zu einer kleinen Herausforderung, da mein Brotjob einen ab und zu aufzufressen droht. Aber genug gejammert…

In all dem Trubel um die Pandemie und einiger privaten Dinge wären fast zwei Jubiläen untergegangen, die mir persönlich sehr wichtig sind. Beide jähren sich 2020 zu vierzigsten Mal, beide haben mein Leben verändert. Zum einen wäre es das 40jährige Jubiläum von Captain Future in Deutschland, zum anderen das 40jährige Jubiläum von William Voltz PERRY RHODAN-Band 1000: Der Terraner. Witzigerweise liegen beide nur rund vier Wochen auseinander.

Bei PERRY RHODAN bin ich „vorgeschädigt“, wie schon in früheren Artikeln schon erwähnte.  Die frühste Erinnerung an die größte SF-Serie der Welt ist das Titelbild von Band 453 Vorsicht – radioaktiv! von Hans Kneifel. Als der Roman erschien, war ich rund drei Jahre alt. Nein, ich konnte damals noch nicht lesen, aber das Titelbild brannte sich in einem Gedächtnis ein. Meine Mutter las die Serie und erzählte mir viel über Perry und seine Freunde. So erfuhr ich einiges über seine Unsterblichkeit und vor allem über seine Abenteuer. Mein erster eigener Kontakt zur Serie bekam ich über die in den 70er Jahren erscheinenden Comics. Allerdings gefielen mir die Sachen von DC und Marvel dann doch etwas besser. So verlor ich den Kontakt zu PR dann auch bald wieder. Trotz dem eifrigen Schmökern von Asterix, Die Spinne, Die Ruhmreichen Rächer oder Die Fantastischen Vier blieb das Bild des Kugelraumers über einer unterirdischen Stadt wollte einfach nicht verblassen.

Nach der Einschulung kam dann endlich das eigentliche Lesen ins Spiel. Nun konnte ich auch was mit diesen komischen Sprechblase anfangen. Und wieder fielen mir die PR-Romane meiner Mutter in die Hände. Aber da waren keine bunten Bilder drin. Gut, es gab Illustrationen, aber der Bleiwüste in den Heften konnte ich nicht viel abgewinnen. Das änderte sich schlagartig mit der Lektüre eines alten Leihbuchs, dass meine Mutter in der hiesigen Stadtbücherei für mich ausgeliehen. Irrfahrt zur Venus von Philip Latham war sein Titel und es fixte mich richtig. Fast zeitgleich erlebte die Science Fiction etwas, was man heute einen ungeahnten Hype nennen würde. George Lucas Star Wars kam 1978 in die Kinos und öffnete der Science Fiction den Weg in den Mainstream. Verlage wie Heyne beglückten die Fans monatlich mit einer Anzahl von Romanen, die für heutige Verhältnisse nicht mehr nachvollziehbar sind. Gleichzeitig wollte jedes Studio in Hollywood seinen eigenen großen SF-Film haben.

Irrfahrt zur Venus weckte meinen unstillbaren Durst nach SF-Literatur. Zwar hatte ich die Erzählungen meiner Mutter nach wie vor im Hinterkopf, aber PR interessierte mich bisher noch nicht so sehr. Vielmehr trafen die Romane von Arthur C. Clarke, E. E. Smith oder Isaac Asimov meine Aufmerksamkeit. Tja, und dann kam Captain Future.

Wenn ich mich recht erinnere, dann hatte ich einen Programmhinweis gesehen, der meine Aufmerksamkeit auf diese neue SF-Serie im ZDF aufmerksam gemacht hat. Wie viele in meiner Generation war ich durch japanische Zeichentrickserien wie Wicki, Biene Maja, Heidi Sindbad oder Pinocchio geprägt. Doch hier wurde etwas ganz anderes präsentiert: klassische Space Opera. Das musste ich einfach sehen. Wenn möglich in der bestmöglichen Form.

Im September 1980 hatten meine Eltern noch keinen Farbfernseher; meine Großeltern schon. Also radelte ich an diesem Samstag, dem 27. September 1980 zu meinen Großeltern, um die erste deutschsprachige Folge von Captain Future zu sehen. Nach einer Ansage von Hannelore „Hansi“ Fischer ging es los…
…und nach den ersten Takten von Christian Bruhns genialen Hauptthemas war es um mich geschehen. Ich war angefixt. Von nun an fuhr ich fast jeden Samstag zu meinen Großeltern, um mir Captain Future reinzuziehen. Die Brüche der Story in den einzelnen Folgen störten mich damals noch nicht. Zu groß war der Sense of Wonder, den die Serie auf mich ausübte. Meine Gier nach SF-Literatur wurde nun immer brennender.

Es war nur einen Frage der Zeit, bis es dann zum eigentlichen Erstkontakt mit der PERRY RHODAN-Heftserie kam. Auch hier war es die Stadtbibliothek, die mir wertvolle Dienste leistete. Dort standen die ersten Silberbände im Verleih. Da die ersten beiden ausgeliehen waren, griff ich zu Band 3. Obwohl mir die Vorgeschichte unbekannt war, fesselte mich das Buch ungemein. Der Unsterbliche umfasst fast alle Romane des Galaktischen Rätsel, was ich nur nur absolut toll fand, sondern auch mein Interesse an der Heftserie weckte. Also besorgte ich mir in einem Kiosk schnellstmöglich ein Heft. Dabei machte ich einen typischen Anfängerfehler, denn ich kaufte mir Band 999 der Erstauflage. Bei der Lektüre verstand ich nur Bahnhof und Abfahrt.

So ein Einstieg mitten oder am Ende eines Zyklus ist nicht so prickelnd, weil genau das passieren kann, was ich oben beschrieben habe. Eigentlich wollte ich schon das Handtuch werfen, wenn da nicht die Ankündigung für Der Terraner gewesen wäre. Eine Woche später verschlang ich den 1000. Band der größten Science Fiction-Serie der Welt. Klar, auch jetzt waren mir nicht alles Zusammenhänge klar, aber da war diese Zusammenfassung der Gesamthandlung. Mit ihr erschloss sich mir ein neues Universum. Also machte ich dann mit dem nächsten Roman weiter, mit dem ich wieder nichts so richtig anfangen konnte. Doch es gab ja noch die Nachauflagen, durch die ich mich nun tingelte. Bei der 4. Auflage blieb ich hängen. Dort hatte gerade der Meister der Insel-Zyklus angefangen, der mich damals sofort fesselte. Er weckte auch die Lust auf mehr Input. Ungeduldig wartete ich immer eine Woche bis zum nächsten Heft. Endgültig zementiert wurde mein weiteres Fan-Dasein mit dem Fund von rund 200 fast perfekt erhaltenen Heften auf dem Sperrmüll. Alle zwischen den Bänden 576 bis 800. Damit war es um mich geschehen. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte…

Heute sehe ich die Lektüre von Der Terraner als meinen Einstiegspunkt in die PR-Serie und in die Science Fiction-Literatur. Nach rund zwei Jahren intensiver Lektüre jeglicher Art von SF hörte ich auch irgendwann vom Fandom. Kurz nach dem Start der 5. Auflage schrieb ich meinen ersten Leserbrief an William Voltz, der mir sogar darauf antwortete. Natürlich gründete ich auch den obligatorischen PR/SF-Club. Bei meinem ersten war ich das einzige Mitglied, weil ich sonst niemanden in meiner Gegend fand. Von Flohmarktbesuchen wusste ich, dass es aber PR-Fans gab. Von einem kaufe ich sogar ein altes PR-Heft (Band 10, 4. Auflage) ab, das sich bis heute in meiner Sammlung befindet, nicht nur weil sich der Vorbesitzer darin mit einem Stempel verewigt hat: Manfred Weinland.

Meinen erster Con war ein SaarCon im Jahr 1984. Damals lernte ich Hans-Dieter Schabacker und Herbert Thiery kennen. Damals im Saarland das, was man oft Big Name Fans nennt; zumindest war das seinerzeit für mich so. 1986 war der PERRY RHODAN Weltcon in Saarbrücken ein sehr prägendes Erlebnis. Viele Kontakte entstanden dort, die einige Jahre hielten. Als ich dann 1988 zum PRC Hüter des Lichts stieß, lernte ich Wolfgang Höfs kennen, mit dem ich bis heute Kontakt habe…

Bevor ich nun ganz anfange total in der Vergangenheit zu schwelgen, möchte ich sagen, dass ich kaum glauben kann, dass mein richtiger Einstieg in PERRY RHODAN und die SF nun 40 Jahre her ist. Irgendwie ist die Zeit rasend schnell vergangen. Aber ich möchte keine Sekunde davon missen. Und ich bin gespannt wie es weitergehen wird…