Black Widow

Zugegeben, selten gab es ein Filmfranchise, dass so umstritten ist wie das Marvel Cinematic Universe. Warum umstritten?  Nun, auf der einen Seite hat es bewiesen, dass eine serialisierte Handlung auch im Kino funktioniert. Andererseits setzt man oft auf die gleiche Formel, was einige Beiträge manchmal etwas schablonenhaft wirken lassen. Was nicht unbedingt heißt, dass sie nicht unterhaltsam sind.

Innerhalb eine Jahrzehnts haben es die Marvel Studios geschafft rund zwei Dutzend Filme zu produzieren, von denen kein einziger an den Kinokassen versagt hat. Den vorläufigen Höhepunkt setzten Avengers: Infinity War und Avengers: Endgame, die die sogenannten Phasen Eins bis Drei des MCU abschlossen. Mit dazu zählen kann man noch Spider-Man: Far From Home, der quasi eine Art Epilog zu den beiden vorgenannten Filmen bildet. Eigentlich sollte es mit der Phase Vier, bestehend aus einer Mischung zwischen Filmen und Serien, nahtlos weitergehen. Doch dann kam COVID-19 und das Mediengeschäft wurde total umgekrempelt.

Die Pandemie stoppte viele Produktionen und andere wurden verschoben. Das betraf vor allem viele schon abgeschlossene Projekte. Wie beispielsweise auch den Start von der oben erwähnten vierten Phase des MCU. Eigentlich sollten die Kinofilme zeitnah mit den auf den Streamingdienst Disney+ online gestellten Serien laufen, was allerdings nicht klappte. Deswegen möchte ich hervorheben, dass Black Widow eigentlich der Start der vierten Phase werden sollte, nicht Wandavision.

Obwohl Black Widow seine Schwächen hat, erweist sich in seinem weiteren Verlauf als ein recht solider Marvel Film, mit dem ein neuer Handlungsabschnitt im MCU beginnt. Seine Rahmenhandlung spielt um die Zeit von The First Avenger: Civil War und bietet den langersehnten Soloauftritt von Natasha Romanoff. Sie will mehr Licht in ihre Vergangenheit bringen, was nicht nur zu einer Art „Family Reunion“ wird, sondern auch zu einer Kollision mit alten Strukturen aus Zeiten der Sowjetunion führt. Vor allem mit dem sogenannten Widow-Programm, aus dem sie selbst hervorgegangen ist…

Ähnlich wie bei Spider-Man Far from Home bemerkt man deutlich wie schwer es den Machern fiel, die sehr großen Fußstapfen des Finales von Phase 3 auszufüllen. Auch wenn man sich bei Black Widow gut unterhalten fühlt, ab und zu verderben die zu offensichtlichen Logiklöcher etwas den Spaß. So erinnert beispielsweise das letztendliche Familientreffen dann doch etwas zu sehr an Die Waltons. Daran ändert auch das launige Spiel von David Harbour, bekannt aus Stranger Things und Hellboy, als sowjetische Antwort auf Captain America nichts. Ein weiterer Schwachpunkt ist der etwas schwach geratene Bösewicht, dargestellt von Ray Winstone. Dieser gibt den Schurken gewohnt fies, aber so einen richtigen Eindruck hinterlässt er nicht. Das Highlight ist allerdings Florence Pugh als kleine „Schwester“ von Natalia Romanoff. Mit ihrem sehr trockenen Humor rettet sie einige Szenen mit sehr viel Selbstironie, was den Film ebenfalls aufwertet.

Vielleicht ist es etwas ungerecht Black Widow an Avengers: Infinity War oder Avengers: Endgame zu messen. Aber gerade diese Filme haben für das MCU die Messlatte sehr hochgelegt. Dennoch kann sich das Ergebnis sehen lassen, auch wenn die Marvel-Formel diesmal nicht ganz so perfekt aufgeht. Unterhalten wird man dennoch und am Ende wird auch der Zusammenhang für die weitere Handlung der vierten Phase etwas klarer. Denn man darf nicht vergessen: Alles im Marvel Cinematic Universe ist auf die ein oder andere Weise miteinander verbunden. Manchmal vielleicht nicht so offensichtlich, wie man glauben sollte.