Avengers: Endgame

Soderle, Avengers: Endgame ist nun fast vier Wochen im Kino. Damit ist Zeit genug vergangen und ich kann nun auch meinen Senf zu der Sache geben. Kleine Warnung vorab: Die folgenden Zeilen können Spoiler enthalten. Wer also den Film noch nicht gesehen hat, sollte vielleicht nicht weiterlesen. Nur als kleine Vorwarnung.

10 Jahre, 22 Filme (genau genommen eigentlich 23 Filme) und eine Storyline, die mit jedem Beitrag immer weiter ausgebaut wurde und mit Avengers: Endgame ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Die Zahl 23 steht deswegen in Klammern, weil Spider-Man: Far from Home, im Sommer 2019 in die Kinos kommt, den Epilog zur Phase Drei des MCU darstellt.

Das Marvel Cinematic Universe nimmt innerhalb der Filmgeschichte einen besonderen Stellenwert ein. Natürlich gibt es auch andere Filmreihen mit großem Erfolg. Aber bisher hat wurde dies nicht in dieser Form und so gleichbleibend geschafft. Bisher hat kein einziger Beitrag des MCU an der Kinokasse versagt; bisher gibt es keine qualitätsmäßigen Ausreißer. Sicher, der ein oder andere Film ist vielleicht schwächer, dennoch haben alle Streifen ein Vielfaches ihrer Produktionskosten an den Kinokassen wieder eingespielt.

Ein Erfolgsrezept, das man kopieren kann? Nicht unbedingt, wie einige große Studios leidvoll erfahren mussten. Sogar die direkte Marvel-Konkurrenz aus dem Hause 20th Century Fox lernte dies auf die harte Tour. Was vielversprechend begann, fand mit X-Men 3 fast ein endgültiges Ende. Zwar rappelte sich die Reihe nach einiger Zeit wieder, aber dennoch blieben gravierende Schwierigkeiten und vor allem finanzielle Flops nicht aus. Zuletzt machten X-Men: Dark Phoenix und das Hickhack um New Mutants negative Schlagzeilen. In Erinnerung ist auch noch das Debakel mit dem letzten Einsatz der Fantastic Four, der einer der vielen Sargnägel für die Centfox wurde. Seit März 2019 gehört das renommierte Studio ebenfalls zum Disney-Konzern.

Lehrgeld musste man auch bei Warner Brothers bezahlen. Zum diesem Konzern gehört der Konkurrent DC Comics, die ebenfalls ein Stück von dem derzeitigen Boom abhaben wollen. Der Versuch des Erschaffens eines DC Extended Universe mit nur einem Film erwies sich als sehr unklug. Großspurig plante man im Voraus, doch schon Batman v Superman erwies sich als kreativer und finanzieller Misserfolg. Suicide Squad erwies ebenfalls nicht als das Gelbe vom Ei. Während in der Chefetage von Warner die Köpfe rollten, kämpfte man mit den bereits laufenden Projekten. Doch das Filmgeschäft steckt voller Überraschungen, denn Wonder Woman erwies sich als großer Erfolg, der von Aquaman noch übertroffen wurde. Diese waren nur noch lose mit dem DCEU verbunden, weswegen man bei Warner Brothers in Zukunft wieder mehr auf Einzelabenteuer setzen möchte. Aber ich schweife ab. Kommen wir wieder zurück zum eigentlichen Kern.

Im Vorfeld von Avengers: Endgame habe ich mir nochmal Iron Man angeschaut. Immer noch ein sehenswerter Film, dessen Postcreditszene die Tür um MCU aufgestoßen hat. Damals hat noch geahnt wie sich die ganze Sache entwickeln würde. Die Idee einzelne Filme mit Serienelementen zu versehen, die auf einen großen Showdown hinauslaufen, erwies sich als sehr gut. Mit einem großen Comicuniversum im Hintergrund, konnte man auch aus dem Vollen schöpfen. Gerade die Infinity War-Storyline erwies sich dabei als Glücksgriff. Der eigentliche Hauptgegner war lange unsichtbar und bekam erst am Ende der ersten Phase ein Gesicht. Danach wurde Film für Film die Geschichte immer weiter ausbaut. Richtig eingebunden wurde Thanos dann ab Guardians of the Galaxy. Ein schlauer Schachzug wie sich zeigen sollte.

Die Entscheidung Infinity War und Endgame in einem Rutsch zu drehen verwunderte den ein oder anderen schon. Aber bei einem solchen großen Projekt keine Seltenheit. Bereits bei Zurück in die Zukunft II & III ging Robert Zemeckis so vor und auch Peter Jackson hat bei seiner Herr der Ringe-Trilogie etwas ähnliches gemacht. Natürlich spielten auch die Verträge der verschiedenen Schauspieler eine Rolle. Für einige von ihnen stellen die beiden Filme das Ende ihrer Verpflichtungen dar. Vor allem für Robert Downey, jr., der ursprünglich nur für drei Filme unterschrieb. Für seine Nachfolger wurde dann etwas anderes ausgehandelt. Bei Chris Evans sollten es ursprünglich 12 Filme werden, was ihn dazu brachte zuerst einmal Captain America abzulehnen. Als dann ein Kompromiss mit acht Filmen gefunden wurde, nahm er die Rolle an. Bei Chris Hemsworth war es ähnlich.

Verwunderlich war es für den Kenner nicht, dass einer oder mehrere Charaktere im Verlauf der beiden Filme das zeitliche segnen würden. Das war dann auch der Fall. So war der Tod von Tony Stark zwar schmerzvoll, aber nicht überraschend. Auch mit dem Ende von Steve Rogers kann man zufrieden sein. Er bekam das, nachdem er sich wohl am meisten gesehnt hat: Mehr Zeit mit Peggy Carter.

Ja, die Story hat einige Logikfehler und ist auch etwas holprig. Aber insgesamt kann man dem Ergebnis von Avengers: Endgame sehr zufrieden sein. Die Gesamthandlung wird zu einem absoluten Höhepunkt gebracht, bei dem fast alle Charaktere aus den vergangenen Filmen ihren Anteil haben. Der Showdown ist ein Effektgewitter, das den Zuschauer auf eine richtige Achterbahnfahrt mitnimmt, wie man sie selten gesehen hat. Allein die letzte Stunde gehört für mich zu den besten Filmschlachten seit den Herr der Ringe-Filmen. Aber auch die stillen Momente, wie der mit Tonys Vater, haben gefallen. Ebenso die Auftritte von Robert Redford und Michael Douglas.

Bei allem Hochglanz gibt es auch etwas mäkeln. So fand ich die Figur des Professor Hulk jetzt nicht so prickelnd. Das lag zum Teil an seiner oft recht schlampig wirkenden Animation. Auch einige der oben erwähnten Logikfehler ließen mich innerlich den Kopf schütteln. Es war ja schon wie schwungvoll Spider-Man an seinem Netz zurückgekehrt ist. Doch woran war es befestigt. Bäume oder Gebäudereste waren ja keine mehr vorhanden? Aber als es mit dem Showdown dann los ging, war mir das egal.

Avengers: Endgame hinterließ bei mir einen sehr positiven Eindruck. Der Film ermöglicht dem Zuschauer eine rund dreistündige Flucht aus dem tristen Alltag. Er ist ein pures Popcornkino und mehr will er im Prinzip auch nicht sein. Es gibt geerdete Helden mit ihren eigenen Problemen. Jeder geht mit den Ereignissen aus Infinity War auf seine eigene Weise um. Vor allem Thor, der sich selbst als Hauptschuldigen im verlorenen Kampf gegen Thanos sieht, hat mich da beeindruckt. Da war kein strahlender Held mehr, sondern ein gebrochener Mann mit einem schier unüberwindbaren Trauma. Das spiegelte sich vor allem in seiner physikalischen Veränderung gut wieder. Genauso wie der Zwiespalt von Tony Stark, der den Verlust von Peter Parker nicht verwinden konnte. Oder auch Clint Barton, der zum blutigen Rächer wird, weil er seine Familie verloren hat. Eben weil die Regisseure und Autoren das alles durchspielen wollten, brauchte Endgame auch seine Zeit. Die bekam er auch von Marvel bzw. Disney auch.

Als Filmfan finde ich es oft schmerzlich, wie sehr Comicverfilmungen die Medienlandschaft zurzeit dominieren. Jede Filmgesellschaft, jeder Streamingdienst will seine eigenen Helden auf die Leinwand oder ins Pantoffelkino bringen. Vieles daneben geht dabei unter. Avengers: Endgame ist mit Sicherheit eins der großen Highlights des Genres und macht auch jede Menge Spaß. Aber irgendwann wird das Publikum auch mit dieser Art von Filmen übersättigt sein. Ich teile da die Meinung von Steven Spielberg, der den derzeitigen Boom mit den Western der 50er und 60er Jahre verglich. Auch da hatte der Kinogänger irgendwann genug vom einsamen Helden der Prärie. Doch im Moment hat der Hype mit Avengers: Endgame einen neuen Höhepunkt erreicht.