19 Schräge Typen

Jeder hat seine Lesegewohnheiten. Die einen lassen über ihre Romane nichts kommen, die anderen schwören ausschließlich auf Sachbüchern. Früher habe ich Anthologien nicht nur gemocht, ich habe sie verschlungen. Gerade als ich mit der SF anfing gehörten Kurzgeschichtensammlungen zum guten Ton. Vor allem von englischsprachigen Autoren musste es eine schier unendliche Anzahl davon geben. Von deutschen Autoren weniger. Was vielleicht daran liegt, dass der deutsche Literaturbetrieb uns die Kurzgeschichte im Laufe der Zeit ausgetrieben hat. Dennoch, meine ersten schriftstellerischen Gehversuche machte ich eben mit Stories, die in verschiedenen Fanzines ihre Heimat fanden. Irgendwann zog es mich zu längeren Sachen. Aber vor rund zwei Jahren habe ich nochmal versucht eine Story zu schreiben. Erst war ich ein wenig eingerostet, aber denn hat es doch noch recht gut hingehauen. Fast als ob man nach Jahren wieder auf ein Fahrrad steigt. Erst ist alles ein wenig wackelig, aber dann erinnert man sich daran, wie es funktioniert.

Man soll sich nicht immer an seine Gewohnheiten festhalten. So springe ich ab und zu über meinen Schatten und greife zu der ein oder anderen Anthologie. Im vergangenen Sommer waren es sogar zwei, die mir sehr gut gefallen haben.  Über beide wollte ich ursprünglich in meinem Rezensionsblog The Häxler schreiben, aber daraus wurde leider nichts. Die geplanten Beiträge wurden zum Opfer meiner zeitlichen Situation, die ich in einem meiner letzten Blogeinträge geschildert habe. Doch ganz verschweigen wollte ich die Gedanken dazu auch nicht, also sind sie nun hier gelandet.

Der Titel 19 Schräge Typen ist nicht zufällig für diesen Beitrag von mir gewählt worden. Die Kombination bot sich quasi an. Warum? Einfach weiterlesen. 😉

Also beginnen wir mit der ersten Kurzgeschichtensammlung an. 19: Geschichten aus dem Dazwischen vereinigt die gleiche Anzahl von Stories aus der Feder von Isa Theobald. Nicht nur ihr prägnanter Stil gefiel mir auf Anhieb. Auch der schwarze Humor, der in vielen Beiträgen ihres Buches zu finden ist, liegt voll auf meiner Wellenlänge. Dabei halt sie sich nicht unbedingt an normale Konventionen, sondern macht einfach ihr Ding. Genau dies hat mich dieses Buch nicht aus der Hand legen lassen. Ein paar Beiträge sind aus anderen Sammlungen bekannt. Doch in diesem Buch bekommt man die gebündelte literarische Kraft von Isa Theobald. Das hat mich beim Lesen vorangetrieben, denn ich wollte nach der ersten Story wissen, was die Nächste zu bieten hat, um dann mit der übernächsten weiter zu machen. So hat sich das bis zum Ende des Buches hingezogen, das viel zu schnell kam. Jede einzelne Geschichte war für mich ein großer Genuss, der mich durch die ein oder andere Nachtschicht gebracht hat. Ob Märchen, Fantasy, Grusel oder Western, Isa Theobald hat ihre Geschichten fest im Griff, ebenso wie ihren Leser. Ich kann 19: Geschichten aus dem Dazwischen nur empfehlen. Die bibliografischen Daten zu dem Buch folgen am Ende des Beitrags.

Die zweite hier vorgestellte Anthologie stammt von jemanden, von dem man so etwas eigentlich nicht erwartet hat. Eigentlich kennt man Tom Hanks hauptsächlich als Schauspieler und Produzent. Doch der Sammler von antiken Schreibmaschinen betätigt sich manchmal auch literarischer Form. Mir war zwar schon zu Ohren gekommen, dass Hanks auch schreibt. Aber gelesen hatte ich bisher noch nichts. Das änderte sich mit Schräge Typen. Eben die Liebe zu alten Schreibmaschinen ist auch der leichte rote Faden, der seine Stories verbindet. In jeder ist eine zu finden. Auffallend ist auch, dass viele der Beiträge in der einer Zeit spielen, in der die USA ihre Unschuld noch nicht verloren hatten. Er schildert bildhaft eine Welt, die oft naiv erscheint, aber dennoch unterschwellig spürbar anders ist. Dabei legt sich Hanks nicht unbedingt auf ein Genre fest. Er bietet eine unglaubliche Vielfalt, die ich nicht erwartet habe. Sogar eine Geschichte mit einem phantastischen Hintergrund ist vorhanden, die sehr unterhaltsam ist. Auch dieses Buch konnte ich nur schwer aus der Hand legen, wenn das Erlebnis nicht ganz so intensiv war wie bei Isa Theobald. Dennoch hatte ich eine Menge Spaß bei der Lektüre.

Sowohl 19: Geschichten aus dem Dazwischen als auch Schräge Typen waren für mich vergnügliche und sehr intensive Leseerlebnisse, die ich uneingeschränkt jedem ans Herz legen kann.

Hier noch die versprochenen bibliografischen Daten, damit man die beiden Bücher auch beim Händler seines Vertrauens auch findet:

Isa Theobald
19 – Geschichten aus dem Dazwischen
Erschienen bei Edition Roter Drache im Februar 2018
ISBN: 978-3-946425-39-7

Tom Hanks

Schräge Typen
Erschienen beim Piper Verlag im Februar 2018
ISBN:  978-3-492-05717-2
ISBN [E-Book]: 978-3-492-97771-5

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